Winter-Winzerzeit

Winzer haben im Winter doch nichts zu tun! Stimmt natürlich nicht. Hier erfahrt ihr, was die Saarkind Winzerin Sarah Schmitt vom Weingut König Johann in Konz Filzen und der Saarkind Winzer Peter Burens vom SaarWeinGut Peter Burens in Saarburg in den Wintermonaten erleben.


„Die Asiaten trinken fleißig weiter“


Sarah Schmitt sitzt an ihrem Schreibtisch im Weingut König Johann in Konz. Es ist Anfang Januar. In normalen Jahren, also wenn gerade keine Pandemie ist, kommen im Januar viele kleine Gruppen zur Weinprobe. Das fällt natürlich in diesem Jahr aus. Dieses Jahr wird dafür im Januar schon eine Tour für den Exportmarkt gefüllt. Sarah lacht: „Die Asiaten trinken fleißig weiter.“


Die Weine für den deutschen Markt werden erst im Mai gefüllt. „Aber der Export sei im letzten Jahr sehr, sehr gut gelaufen und jetzt brauchen sie Nachschub“, sagt die 25 Jährige. Deshalb also sitzt sie am Schreibtisch, bestellt zum Beispiel leere Flaschen. Es ist früher Abend, ein ganz normaler Werktag. Tagsüber arbeitet Sarah als Lebensmitteltechnologin bei einer Firma in Luxemburg, erst am Abend kann sie in dem Familienweingut Arbeiten übernehmen. Die teilt sie sich mit Vater, Bruder und Mutter - Ihre Bereiche: Büro und Keller.


Über Artenvielfalt im Weinberg und Sonnenbrand


In Konz fließt die Saar in die Mosel. Wenige Kilometer davor liegt das kleine Städtchen Saarburg an der Saar. Und genau da sitzt Peter Burens im SaarWeinGut Peter Burens vor seinem Laptop. Die Weinbautage finden in diesem Jahr online statt. Gerade läuft ein Vortrag von Michael Weber, übrigens auch ein Saarkind-Winzer, über die Artenvielfalt im Weinberg. „Ich finde den Januar so interessant, weil es da so viele Fortbildungsmöglichkeiten gibt,“ sagt Peter. Auch bei Jahresrückblicken könne er im Nachhinein lernen, ob er etwas anders/besser hätte machen können - zum Beispiel beim Thema Pflanzenschutz oder auch was "Sonnenbrand der Trauben" angeht. „Auch die Agrartage in Rheinhessen in Niederolm zum Beispiel finden normalerweise im Januar statt, nur dieses Jahr, wegen der Pandemie, eben nicht.“ Bei den Online Fortbildungen könne er sich zwar besser konzentrieren, aber es fehle das „Schnacken“ zwischen durch. „Es ist einfach schöner, wenn man vor Ort auch alle Leute persönlich sieht.“





Nur wenn das Wetter passt


Zurück im Weingut König Johann in Konz: In die Weinberge geht vor allem Sarahs Vater. Der kümmert sich gerade um den Rebschnitt. Für Januar sind sie in diesem Jahr schon weit damit gekommen. Denn sie haben direkt nach der Traubenlese losgelegt. Die Erntehelfer aus Rumänien konnten wegen Corona nicht ohne Weiteres Ein- und Ausreisen. So sind sie einfach länger geblieben und haben schon geschnitten und die abgeschnittenen Reben rausgezogen. „Es ist noch ein bisschen was liegen geblieben“, sagt Sarah, „das machen wir am Wochenende, wenn das Wetter passt, also überwiegend mein Vater.“


Auch Peter in Saarburg geht zwischendurch auch immer mal wieder raus, wenn das Wetter passt, in seinen Weinberg zum Schneiden. Damit beginnt er immer im Januar. Und dann fällt ihm noch etwas anderes ein, was im Januar ansteht: Die Erntemeldung. „Für die Landwirtschaftskammer schreibt man auf, was man geerntet hat. Das erfolgt so lange nach der Lese, da man ja potentiell noch Eiswein lesen kann."



Nicht im Warmen aber drin: Der Keller


Im Moment liegt der 2020 Jahrgang im Keller. Im Weingut König Johann steht alle zwei Tage eine Gärkontrolle an. „Wir arbeiten nur mit Spontanvergärung, also wir setzen keine Reinzuchthefe zu. Bei dem einen Wein geht das ein bisschen schneller, bei dem anderen langsamer. Es ist ein bisschen risikobehafteter als eine Standardvergärung“, sagt Sarah. Sie prüft: Wie weit sind die Weine? Sind sie so wie sie sie haben will? Muss sie vielleicht die Gärung stoppen? Jetzt werden Süßweine gefüllt, also Spätlese und Auslese für den Export, eben. „Diese Weine müssen nicht allzu lange gären, die sind dann jetzt schon fertig.“ Aber die Filtration muss noch gemacht werden. „Der Export läuft tatsächlich besser. Da geht auf jeden Fall jetzt mehr, sonst haben wir die erste Füllung immer erst im März.“ Ein Ersatz für die ganzen Weinproben, die ausfallen.


Neben dem Fortbilden fallen im SaarWeinGut Peter Burens Arbeiten im Keller an: Während der Grauburgunder schon filtriert wird, ist im Riesling, der auch später unfiltriert bleiben wird, noch die Heizstange drin. Der Grauburgunder wird dieses Jahr schon im Januar gefüllt. Filtrieren, das heißt bei Peter Schichtenfiltration. So ist der Wein nicht mehr trüb und er ist dadurch mikrobiologisch stabil. Es wird alles rausgezogen, was noch Probleme bereiten könnte, zum Beispiel einen Biologischen Säureabbau verursachen könnte. Die Vorfreude auf die Füllung ist groß. „Es macht Spaß zu sehen, wie sich der 2020er so entwickelt“, erklärt Peter.





Winzerin und Winzer aus Leidenschaft


Für Sarah bedeutet das Weingut Familientradition. „Ich bin damit groß geworden.“ Ihr Opa hat das Weingut gegründet. Die Arbeit macht ihr Spaß, in ihrem Hauptberuf sitzt sie 50 Prozent im Büro, die anderen 50 Prozent ist sie im Betrieb unterwegs. „Im Keller und im Weinberg habe ich einfach mal meine Ruhe. Meistens hole ich auch keine Handy mit und da kann man einfach mal abschalten“, sagt sie und fügt noch hinzu: "ich trinke selber gerne Wein, ich war ja auch selbst Weinkönigin, es macht mir Spaß mit Leuten darüber zu reden.“ Es ist die Abwechslung, die die Arbeit im Weingut für sie ausmacht. Und weil sie vier Personen sind, die sich das, was im Weingut anfällt in ihrer Freizeit einteilen, sei eben auch kein Zwang da. „Also wenn ich jetzt sage: Ich habe heute keine Lust, was zu machen, dann mache ich auch nix. Da ergänzen wir uns sehr gut. Die Arbeit wird gemacht, aber es ist kein Muss. Es ist keine Haupteinnahmequelle. Deshalb ist auch kein Druck da“, erklärt Sarah.

Erfolg ist dabei für sie, wenn das Jahr gut gelaufen ist, der Ertrag stimmt. 95 Prozent der Weine, die die Familie produziert sind vorbestellt und schon verkauft. „Ich bin kein Mensch, der das Risiko mag, da ist es natürlich sehr gut, dass ich diese Gewissheit habe, dass ich nicht am Ende mit dem Wein da stehe und keine Ahnung habe, wo ich ihn hin verkaufen soll.“ Eine neue Erfahrung ist für Sarah der Erfolg im Deutschen Markt mit Saarkind. Ihre Eltern haben fast nur Export gemacht. Auch sie will versuchen mehr in den sozialen Netzwerken zu machen. „Da man die Leute anders gerade nicht gut erreichen kann, es finden ja aktuell keine Feschen, keine Weinproben statt."

Auch das SaarWeinGut Peter Burens von Winzermeister Peter und seiner Familie Eva Burens und Sohn Peter Moritz ist ein Nebenerwerbsbetrieb. Der 30 Jährige Winzermeister arbeitet zudem in einem anderen Weingut. Den Winter mag er und dieses Jahr ganz besonders: „Endlich ist es mal wieder kälter und es schneit.“ Auch in dieser Jahreszeit steht er voll und ganz hinter seinem Beruf. „Es ist der Abwechslungsreichste Beruf der Welt: Produktion im Weinberg, im Keller, Marketing, Verkauf, du kommst mit Leuten in Kontakt“, er lacht. Winter für den Winzer, das ist von Allem ein bisschen: Schneiden, Binden, Keller und Weinproben. „Dieser Januar ist eigentlich ein ruhiger Monat“, sagt Peter. Es gibt keine Präsenzweinproben. Aber die Not macht erfinderisch. Peter verkauft Weinpakete und auf Nachfrage, verkostet er die Weine mit den Kunden dann eben online.

Winterzeit mit zwei Seiten

Die Winterzeit sieht Sarah von zwei Seiten. Negativ findet sie, dass es so früh dunkel wird. Nach ihrem Hauptberuf in Luxemburg kann sie nur noch ins Büro oder den Keller. Andererseits kann sie so viel abarbeiten, was über den Herbst, die Traubenlese liegen geblieben ist. Außerdem habe man im Sommer, wenn es ums Spritzen geht, als Winzerin einen gewissen Zeitdruck. „Jetzt im Winter beim Schneiden finde ich es persönlich nicht so. Man kann theoretisch gesehen, direkt nach dem Herbst anfangen bis in den März schneiden. Man kann sich das selbst einteilen, wie es einem passt, wenn es eine Woche regnet dann bin ich halt im Keller und im Büro.“ Das mache den Winter sehr angenehm.

Autorin: Nelly Theobald

Instagram: @nellyelismiles

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