Weinmanufaktur Petershof - Das Abenteuer beginnt

Weinmanufaktur Petershof: Dreharbeiten beim Rebschnitt

Es ist Samstag, ich habe frei, eigentlich. Der Wecker klingelt trotzdem um 6.30 Uhr. Es ist Wochenende und Wochenende ist Weinmanufaktur Petershof Zeit. Der Petershof ist unser persönliches Abenteuer. Andere machen eine Weltreise, ich unterstütze meinen Freund Peter bei seinem Start-up in der Weinbranche. Verrückt? Ja vielleicht, aber wir freuen uns drauf und stecken schon mittendrin.

Drei Hektar Weinberge bewirtschaftet die Weinmanufaktur Petershof. Ist das viel? Ich kann mir darunter auch nichts vorstellen. Das können, glaube ich, nur Menschen, die etwas mit der Landwirtschaft zu tun haben. Drei Hektar Weinberge daraus können ungefähr 20.000 bis 30.000 Flaschen Wein abgefüllt werden. Für mich hört sich das viel an. In der Weinwelt ist es ein kleines Weingut.

Qualitätssteigerung

Wir stehen auf, ein kurzes Frühstück, Kaffee, Brot. Peter hat schon die Arbeitshose an und steht 30 Minuten später in dicker Jacke und mit Saarkind-Mütze im Flur: „Tschüss, du kommst dann ja später nach. “ Er fährt in den Krettnacher Altenberg, in unseren ersten eigenen Weinberg. Ich bin jetzt also stolze Weinbergbesitzerin. :) Ich bleib noch etwas daheim, aufräumen, Wäsche, am Wochenende habe ich auch dafür mal Zeit. Dann packe auch ich mich dick ein. Im Flur steht schon meine Arbeitsausrüstung bereit: Spiegelreflexkamera, Power Bank, Selfie Stick.

Im Winter ist die Haupthandarbeit in den Weinbergen zu machen. Der Rebschnitt: 90 Prozent der im Frühjahr und Sommer gewachsenen Triebe an der Rebe werden entfernt. So wird die Qualität verbessert. Denn auch beim Wein gilt das sogenannte Menge-Güte-Gesetz. Das bedeutet, umso mehr Menge, umso geringer ist die Güte oder andersherum, umso weniger Trauben am Stock, umso höher ist die Qualität.

2020er, der erste Jahrgang

Ihr kennt das bestimmt, wenn ihr Weinberge im Sommer seht, dann sind das große Pflanzen mit vielen Blättern und Trieben. Im Winter aber stehen meist nur noch zwei Triebe. Der Winzer hat sie zurückgeschnitten. So wie Peter gerade. Er läuft durch die Reihen, von Rebe zu Rebe, eine kleine rote Schere in der Hand. Damit trennt er immer mehrere Triebe von der Rebe: „Wir stutzen diesen gesamten Rebstock auf zwei Triebe mit sechs bis 14 Knospen zurück. Das kommt darauf an welches Ertragsniveau wir anstreben. So legen wir den Grundstein für den 2020er Jahrgang.“ Unser erster Jahrgang wird das, der 2020er.


Dreharbeiten

Ich habe den Selfie-Stick mit meinem IPhone daran in der Hand, filme Peter bei der Arbeit. In meiner Ausbildung habe ich mit VJ Kameras gedreht, in Praktika mit Final Cut geschnitten. Heute versuche ich es mal mit dem Handy und einer Open Source Software für Microsoft. Bin gespannt, ob das klappt. „Nochmal“, sage ich, „wo setzt du die Schere an, damit ich close darauf anfangen kann.“ Es ist nicht so einfach, ich muss die gleiche Bewegung von Peter aus mehreren Einstellungsgrößen, also Totale, Detail, Halbnah aufnehmen und auch aus verschiedenen Perspektiven. Deshalb dauert so ein Dreh auch immer so lange. Denn die Situationen müssen aufgelöst werden. Ich muss mir schon beim Dreh überlegen, wie ich die Szenen später zusammengeschnitten bekomme. Die Anschlüsse müssen stimmen, kein Sprung, neutrale Bilder, also Bilder auf denen Peter nicht zu sehen ist, auf denen er aus dem Bild geht, oder eine Zufahrt auf ein Detail.

Riesling-Kabinett

Peter steht an einer Rebe, die einzelnen Triebe sind abgeschnitten. Jetzt zieht er sie raus, er muss fast reißen. Kleine Ranken an den Trieben haben sich um den Draht gewickelt und halten ihn so fest. Rausziehen heißt das. Zwei Triebe bleiben stehen. Peter hält einen davon in der Hand. In regelmäßigen Abständen sind Knospen an ihm zu sehen: „Jede dieser Knospen hier entwickelt nachher einen Trieb mit ein bis drei Trauben dran“, sagt er. Trauben das sind übrigens die kompletten Klötze, bestehend aus einzelnen Beeren. Peter nimmt den Trieb schlingt ihn einmal um den Draht, so dass er im rechten Winkel zum Rebstock am Draht anliegt. Am Ende bindet er ihn an diesem fest. Dieser Vorgang heißt ganz einfach „Binden“. Peter widmet sich dem zweiten Trieb, den er stehen gelassen hat: „Der hier, der würde dann wegfallen, das ist unsere Reserve.“ Das nennt man auch Frostrute. Also, falls einem Trieb etwas passiert, Frost zum Beispiel, oder er aus irgendeinem Grund abbricht, wäre noch einer da. Bleiben beide unversehrt, wird einer im Frühling nach den Mai-Frösten entfernt. Peter schaut über unseren Weinberg: „Hier oben am Krettnacher Altenberg wollen wir einen schönen Riesling-Kabinett produzieren und da werden wir ein mittleres Ertragsniveau anstreben.“


Ich drehe aus der Hand, also ohne Stativ, da können die Bilder ein wenig wackeln, aber es vermittelt auch mehr Nähe, also mehr dieses, „ich bin direkt dabei“. Wir machen auch mehrere Interviews ohne, dass Peter schneidet. In den Rebzeilen stehen wir dann und ich stelle ihm Fragen zu seiner Arbeit. Mittlerweile sind meine Hände Eiszapfen. Aber, das macht auch Spaß. In meinem Arbeitsalltag, fahre ich immer mit einem Kameramann/frau raus. Da mache ich das nicht selbst, sondern die Profis.

Die Laubwand

Aber zurück zum Weinberg. Im Sommer bilden die Reben in den Weinbergen, ja oft eine Wand, also so sieht es zumindest aus. Die Stöcke wachsen natürlich nicht von allein so. Der Winzer bindet die einzelnen Triebe nach oben, so dass eben diese Laubwand entsteht. In unserem Weinberg hängen überall blaue Plastikschnüre. „Derjenige, der den Weinberg vor uns bewirtschaftet hat, hat dieses blaue Band benutzt um damit die Triebe im Sommer aufzubinden. Wir wollen von diesem System weg, entfernen diese Plastikschnüre und werden sie im Sommer nicht nochmal neu einziehen“, erklärt Peter. „Wir werden dies mit einer permanenten Lösung mit Drahtauslegern machen, die wir dann die nächsten 30 Jahre noch weiter benutzen können.“ In regelmäßigen Abständen hängen rote Klammern an den blauen Schnüren und halten immer zwei Schnüre zusammen, dazwischen hingen die Triebe. Peter läuft Zeile für Zeile ab, entfernt, die roten Klammern, steckt sie in die Tasche. Mit seiner Schere schneidet er die blauen Schnüre dann am oberen Ende der Zeilen am Endstickel ab, am unteren Ende zieht er immer mehrere gleichzeitig aus dem Weinberg. Zu seinem Füßen ein ganzer Haufen blaue Schnur. Gut, dass Peter dies nachhaltiger gestalten möchte, denke ich.


Winzer-Winter

Seit November turnt Peter schon in den Weinbergen der Weinmanufaktur Petershof rum. Es ist jetzt Anfang Januar. Die Weingut ist im Moment noch ein Nebenerwerbsbetrieb. „Also halt immer Samstag und wenn halt Zeit ist gehe ich in die Weinberge und schneide.“ Peter lehnt an einem Endstickel, eine Thermoskanne mit Tee in der Hand. Aus seinem Becher dampft es: „Ich habe auch ein bisschen Hilfe von Freunden, wir machen das jetzt Stück für Stück.“ Er trinkt einen Schluck. Es ist nur knapp über Null Grad. Ich werde noch ein paar Fotos mit der Spiegelreflexkamera machen. Die Instastory habe ich vergleichsweise schnell erledigt, aber es wird ein weiteres Wochenende brauchen bis ich den Film fertig habe. Für mich ist es spannend, die Winzer hier an der Saar zu beobachten, manchmal zu helfen, beim Füllen, bei der Traubenlese, beim Rebschnitt. Schon lange ist mir klar, wie viel Arbeit in einer Flasche Wein steckt. Ich fange diese Arbeit gerne mit der Kamera ein – für mich ist es eine andere Welt, ein Abenteuer. Für Peter ist es viel Arbeit, aber auch sein großer Traum und ein gemeinsames Abenteuer mit mir.

„Es wäre so schön, wenn wir den ganzen Winter nur auf unseren Fässern sitzen und die neuen Weine aus dem Herbst probieren könnten. Klar, das machen wir auch“, Peter lacht. „aber eigentlich habe ich im Winter die meiste Handarbeit in den Weinbergen. Rebschnitt ist unglaublich zeitintensiv und auch sehr, sehr wichtig, weil man nicht nur für den nächsten Jahrgang schneidet, sondern auch für die nachfolgenden, weil so ein Erziehungssystem eines Weinstocks, das ist immer eine sehr langfristige Arbeit.“



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