Saarkind Upcycling – wie aus Aussortiertem etwas ganz Neues wurde

In jeder Produktion passiert es. Kleinere oder größere Fehler, die dazu führen, dass die produzierte Ware der Qualitätskontrolle nicht standhält. Als Neuware geht diese dann nicht in den Verkauf. Aber häufig wird sie vergünstigt als B-Ware angeboten. Eine Möglichkeit, die für Saarkindgründerin Vanessa Weber nicht in Frage kommt. „Ich möchte einfach, dass unsere Saarkindprodukte einwandfrei und ohne Fehler zum Kunden kommen“, sagt sie und ergänzt: „Wir stehen einfach für einen hohen Qualitätsanspruch.“ Das stellte Vanessa jedoch vor eine andere Frage: „Wie bringe ich aber so unser Motto ‚gemeinsam, NACHHALTIG, beständig‘ mit diesem Anspruch nur erstklassige Ware zu verkaufen zusammen?“ Die Ware wegzuschmeißen ist somit selbstverständlich keine Option.


Und so kamen wir ins Spiel. Wir, das sind die Allesnäher, eine kleine Gruppe aus Serrig, die eine Leidenschaft verbindet, nämlich das Nähen. Während unserer Treffen nähen wir normalerweise das, was wir gerade benötigen, ob das nun Kleidung, Taschen oder andere Accessoires sind. Darüber hinaus bearbeiten wir von Zeit zu Zeit Aufträge, wie die Weinkühlermanschetten für Saarkind oder auch eigene Produkte mit selbstentwickelten Stoffen. Es war im Sommer als das Telefon klingelte und Vanessa von ihrem Dilemma berichtete. „Könnt ihr nicht vielleicht etwas daraus machen?“ fragte sie. „Na klar, da haben wir Ideen“, war ich mir sicher und auch Petra Haupert, unsere Allesnäher-Gründerin war direkt dabei. „Kleidung, Taschen, Utensilos, Accessoires, da gibt es einiges“, zählte sie auf.


Und so gingen wir an die Planung, im Sommer passte es irgendwie nicht, erst waren wir zu zögerlich aufgrund Corona, dann kam die Urlaubszeit. Aber im November war es dann soweit, kurz bevor diese Sache mit dem Virus wieder so richtig ernst wurde. Dementsprechend vorsichtig trafen wir uns in kleiner Runde mit Abstand, Maske und 2G-Regelung und wurden kreativ in einem Saarkind-Upcycling-Workshop. Petra hatte schon vorab ein wenig für die Inspiration vorgearbeitet und einige fertige Teile vorbereitet. Und? Errät jemand, was das hier einmal gewesen ist?


Ob Ihr es glaubt oder nicht, aber das war tatsächlich mal ein Saarkind-T-Shirt. In Streifen geschnitten und verhäkelt wurde ein Utensilo daraus. Das Logo wurde natürlich gerettet und auf einem klassischen Sweatshirt vernäht.


Und was ist Upcycling eigentlich genau? – Das Wort setzt sich zusammen aus ‚up‘ (englisch für hoch) und ‚recycling‘ (englisch für Wiederverwendung). Während beim klassischen Recycling der Abfall teilweise unter hohem Energieaufwand bearbeitet wird, damit er überhaupt wiederverwendet werden kann, werden beim Upcycling die Materialien direkt weiterverwendet. Einfach gesagt: aus alt oder nicht mehr gebraucht wird anders. Ein sinnvoller Trend, der immer wichtiger werden müsste. So leben wir schließlich in einer Zeit, in der selbst Neuware zuhauf in der Tonne landet, weil sie zu viel und über die Marktbedürfnisse hinaus produziert wurde. Doch obwohl sogar die Vogue Upcycling kürzlich als größten Trend der Modebranche kürte, sucht man bei vielen produzierenden Unternehmen Angebote zum ‚upcyclen‘, weiterverkaufen und reparieren vergebens. Und Negativbeispiele wie zum Beispiel die Ergebnisse der unlängst veröffentlichten Recherche des NDR zur sogenannten Sneakerjagd, führen eher zu Misstrauen als zum Glauben, dass es einen ernsthaften Trend zur Weiterverwendung gibt. Um jedoch nicht alles schwarzzumalen: Andererseits boomen Plattformen, auf denen Second-Hand-Kleidung verkauft wird und die fast 23 Millionen Googleeinträge zum Wort „Upcycling“ sprechen auch für einen nicht ganz unbekannten Trend.


Zurück zu unserem Workshop: An diesem Tag ging es mit ganz unterschiedlichen Nähideen weiter. Während bei mir ein Hoodie für unser Saarkind Nummer 1 entstand, wurde an den anderen Plätzen an einem Kordelzugbeutel, Mütze, Sweatshirt oder Blumenampel gearbeitet.


Petra grübelte zusammen mit Anaëlle über den richtigen Ausschnitt des Saarkindlogos für den Kordelzugbeutel. „Das ist doch schief“, sagt sie mehr zu sich selbst als zu uns. „Ja, ist ja B-Ware“, sage ich schmunzelnd. Auch sie muss schmunzeln: „Ach ja!“ – Bald darauf ist der richtige Ausschnitt gefunden und Anaëlle verfeinert das Saarkindlogo mit Sonnenstrahlen. Schick sieht das aus. Petra hilft und arbeitet parallel an zwei eigenen Projekten, einer Mütze passend zu einem schon vor dem Workshop gefertigten Sweatshirt sowie an einem weiteren Sweatshirt. „Ach, ich habe gar keinen Mützenschnitt dabei. Na ja, dann mache ich den eben Freihand“, sagt sie. Freihand? Ist klar! Somit steht mal wieder fest, wo das Kreativ- und Improvisationspotential unserer Gruppe liegt. Petra macht einfach und das Ergebnis ist zu 99,5 Prozent gut. Bei mir geht es hingegen meist ziemlich streng nach Anleitung und mich bringt es eher durcheinander, wenn ich das auch ganz anders machen könnte. Aber ich bin eben auch diejenige, die beim Kochen meist klar nach Rezept arbeitet, manchmal zum Leidwesen meiner Mitmenschen. ;)


Für mein Hoodieprojekt bin allerdings auch ich ein wenig kreativ geworden. Es ging nicht ganz nach Anleitung, denn die Vorderseite ist dreigeteilt nach eigener Idee. Immerhin! Und wenn es um die Farbauswahl geht, dann bin ich in meinem Element. Hier wird getüftelt und es werden meist ganz verschiedene Kombinationen angedacht, bevor es zu einer Entscheidung kommt. Da es in diesem Fall aber vorrangig dem Saarkind Nummer 1 gefallen musste, hat dieses natürlich mitgetüftelt. Und mit dem Ergebnis, das nach gut drei Stunden fertig ist, sind wir beide zufrieden.


Annabelle hat es sich derweil auf der Fensterbank bequem gemacht und knüpft fleißig Makrameefäden. Neben ihr steht eine aussortierte Saarkindtasse. Und was wird das? – Eine Blumenampel, fehlt nur noch die Blume.


Vanessa ist inzwischen auch eingetroffen. Sie wollte sich schließlich persönlich ein Bild davon machen, was wir aus ihren aussortierten Kleidungsstücken und Accessoires machen und freut sich. „Da kommt die Ware echt eine richtig tolle Verwendung.“ Und als sie die Sweatshirts sieht, kommen Erinnerungen auf. „Cool, als wir mit den Saarkindprodukten gestartet sind, hatten wir tatsächlich überlegt, das Logo im Block abzusetzen. Wir haben uns damals nach langem Überlegen dagegen entschieden. Aber wenn ich das hier so sehe… Da könnten wir fast doch noch einmal drüber nachdenken“, sagt sie.


Die Kids – meine als auch Vanessas sind inzwischen mit von der Partie – widmen sich schließlich noch den aussortierten Saarkindsocken. Weiß sind sie und vor dem Hintergrund des bald beginnenden Winters sollen daraus Schneemänner werden. Kurz unter der Ferse abgeschnitten, ein bisschen Reis für die Standfestigkeit, dann Füllwatte, einen Kopf für den Schneemann abgebunden, Stecknadeln für Augen und Nase und aus Jersey schnell einen Schal und eine Mütze genäht und fertig ist der Schneemann. Und aus den Sockenschaften mit dem Saarkindlogo wurde ein Überzug für die Trinkflaschen, es soll ja eben alles verwendet werden.


Und das soll erlaubt sein, es zu erwähnen: Für die Schneemannsmützen hatte ich keinen Mützenschnitt dabei und somit die Mütze Freihand geschnitten. Nach einem Fehlversuch (den Petra gerettet hat ;)) hat es geklappt. Die Mütze passt. Yeah. Die Kids waren auf jeden Fall glücklich mit ihren kuscheligen neuen Schneemannfreunden. Und eigentlich fehlt nur noch ein kleines Saarkindlabel auf der Mütze, dann wäre es richtiges Saarkindupcycling.

Für das Label war am Workshoptag jedoch keine Zeit mehr, denn die neuen Saarkindshirts und -accessoires sollten noch in Szene gesetzt werden. Dafür sollte die an diesem Tag herausgekommene Sonne ausgenutzt werden. Bei uns im Tal war zwar schon der Schatten angekommen, aber in Serrig ist man schnell auf dem „Berg“ und so war auch fix ein schöner Platz zum fotografieren gefunden. Und voilà, das sind sie nun unsere Ergebnisse. Danke Vanessa für die tollen Fotos.



Nach dem kleinen Shooting blieb uns noch das Aufräumen. Das war schnell geschafft und beim Hinausgehen fragte Annabelle: „Und wann geht es weiter? Ich hätte jetzt noch einfach weitermachen können.“ Auch wir anderen haben noch Ideen, also ein Anschlusstermin muss her.


Autorin: Silke

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