Mehr als ein Abendessen: Mein erster Besuch bei der Küfa - foodsharing Konz
Kaum betrete ich das Haus der Jugend in Konz, bemerke ich kistenweise Lebensmittel und mehrere Tüten mit Backwaren. Sogar Kräuter und Blumen stehen in dem Raum, der sonst als Jugendcafé und Treffpunkt für Teenager aus der Umgebung dient. Ich bin zum ersten Mal bei der Küfa, der „Küche für alle“, und schon nach wenigen Minuten mittendrin.
Einmal im Monat findet hier unter dem Motto „Gemeinsam schnippeln, kochen, essen und genießen“ ein gemeinschaftlicher Kochabend statt. Gekocht wird meistens vegan und fast ausschließlich mit geretteten Lebensmitteln, die sonst vielleicht im Mülleimer gelandet wären. Claudia und Sabine sind Teil der Foodsharing-Community Saarburg-Kell und Konz und setzen sich ehrenamtlich gegen Lebensmittelverschwendung ein. Ich habe mich mit ihnen verabredet, weil ich neugierig auf die Küfa bin.
Als ich mich genauer umsehe, entdecke ich in den Kisten Schokoküsse, deren Mindesthaltbarkeitsdatum kürzlich abgelaufen ist, Knäckebrot ohne aufgedrucktes Mindesthaltbarkeitsdatum, Donuts, etwas überreife Bananen, Pfirsiche, Aprikosen, Eier, Äpfel, Radieschen und Weißkohl. Vieles davon würde im Alltag schnell aussortiert, obwohl es noch völlig in Ordnung ist. Die Menge verschlägt mir die Sprache.
„Das ist nur ein kleiner Teil der Lebensmittel, die wir gestern und heute gerettet haben“, erklärt mir Sabine. „Als Foodsaver*innen holen wir Lebensmittel bei kooperierenden Betrieben ab und sorgen dafür, dass das gerettete Essen fairteilt wird und möglichst wenig im Abfalleimer landet.“
Ich betrete die Küche einen Raum weiter. Dort erwarten mich bereits vorbereitete Kartoffeln und noch mehr Lebensmittel für das gemeinsame Abendessen. Ich bin ehrlich überrascht über die Menge und die Qualität der Produkte. Die Salate sind einwandfrei, die Bananen haben nur minimale Druckstellen und Kiwis, Gurken und Möhren haben, wenn überhaupt, kleine Schönheitsfehler. Zu gut für die Tonne, denke ich.
Am Schnippeltisch der Küfa - foodsharing Konz
Als ich in die Küche komme, sind die Lebensmittel bereits gesichtet, und gemeinsam wurde entschieden, was daraus gekocht wird. Heute wird gegrillt. Alle vor Ort können mitentscheiden und sich einbringen. „Bei der letzten Küfa hat eine Teilnehmerin aus gerettetem Spargel einfach so eine Spargelcremesuppe gezaubert. Das hätte ich ohne Rezept nicht gekonnt“, erzählt Claudia. Man lernt miteinander und voneinander. Das merke ich sofort, als ich mir, mit Brettchen und Messer bewaffnet, einen Platz am Schnippeltisch suche.
Ich schaue in die Runde und bemerke, wie viele verschiedene Generationen zusammen am Tisch sitzen. Neben mir schneidet ein Junge im Vorschulalter mit mir Obst für den Obstsalat. Gegenüber bereitet eine junge Mutter mit ihrem Baby in der Trage Salat vor. Auch zwei ältere Frauen sitzen am Tisch. Eine von ihnen schneidet Weißkohl für Krautsalat. „Man muss etwas Salz zum Kohl geben und ihn dann kräftig durchkneten. Das macht ihn schön mürbe“, weiht sie mich in das Geheimnis eines guten Krautsalats ein. Es macht Spaß, den Gesprächen zuzuhören und sich daran zu beteiligen. Ich merke: Hier geht es nicht ausschließlich um das Retten von Lebensmitteln, sondern auch um das soziale Miteinander. Ein Mann stellt mir seine Mutter vor, die genau wie ich zum ersten Mal bei der Küfa dabei ist. Er heißt Martin, nimmt regelmäßig an den Kochabenden im HDJ teil und ist auch im Foodsharing aktiv.
Zu gut für die Tonne
Während ich die vielen Kisten und Tüten sehe, muss ich an all die Lebensmittel denken, die jeden Tag weggeworfen werden. Im Jahr 2022 fielen in Deutschland rund 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an. Nicht alles davon war noch essbar. Trotzdem landen weiterhin viele noch genießbare Lebensmittel im Müll. Bisher war das für mich vor allem eine unvorstellbar große Zahl. Hier bei der Küfa beginne ich zu begreifen, was sie im Alltag bedeutet.
Claudia, die unser Gespräch mitbekommt, erklärt mir, wie das mit dem Foodsharing überhaupt funktioniert. Foodsaver*innen holen Lebensmittel bei Kooperationspartnern wie Supermärkten oder Bäckereien ab. Gemeinnützige Einrichtungen wie die Tafel wurden zuvor vorrangig berücksichtigt. Wer Lebensmittel weitergibt, übernimmt Verantwortung. Deshalb wird sorgfältig sortiert, was noch genießbar ist und was nicht. Beim Foodsharing steht nicht die Bedürftigkeit im Vordergrund, sondern das gemeinsame Ziel, Lebensmittelverschwendung einzudämmen. Darum darf sich grundsätzlich jede*r an den geretteten Lebensmitteln bedienen. Die Verteilung läuft zum Beispiel über lokale WhatsApp- oder Facebookgruppen (Foodsharing VG Saarburg-Kell, Konz & Hermeskeil).
In einer dieser Foodsharing-Gruppen ist auch Martin, mein Gesprächspartner von vorhin. Dort werden nicht nur die geretteten Lebensmittel der Foodsaver*innen angeboten, sondern einfach alles, was zu viel ist: belegte Brötchen, die von einer Feier übriggeblieben sind, Überschüsse aus dem heimischen Hochbeet oder Lebensmittelreste von Veranstaltungen. Was keine Kühlung braucht, wird manchmal in Kisten vor die Tür gestellt. Bitte zugreifen! Mir gefällt diese unkomplizierte Art. Was bei einem Menschen zu viel ist, kann ein anderer noch gut gebrauchen.
Mehr als satt werden
Als wir mit dem Schnippeln fertig sind, tragen wir die vorbereiteten Speisen gemeinsam in den Garten. Wie schön es hier ist! Kaum zu glauben, dass ich noch nie hier war, auch in meiner Jugend nicht. Mit den selbstgebauten Sitzmöglichkeiten aus Paletten, den Tischen, dem Grillplatz und einem großzügig gespannten Sonnensegel fühlt man sich sofort wohl.

Auf dem Grill garen bereits Paprika, Auberginen und anderes Gemüse. Der Tisch ist mit zwei Salaten, Kartoffeln, verschiedenen Dips, Brötchen und einem Obstsalat zum Nachtisch reichlich gedeckt. Als das Buffet eröffnet wird, kommen noch einmal alle zusammen. Auch ich schnappe mir einen Teller, bediene mich am Buffet und nehme auf einer der Bänke Platz. Ich lasse den Blick schweifen. Kinder und Jugendliche, die eben noch über die Wiese getobt oder im HDJ gespielt haben, sitzen nun gemeinsam beim Essen. Ich entdecke Martin. Er sitzt mit seiner Mutter in der Sonne und genießt das Essen. Im Laufe des Abends sind noch einige Menschen dazugekommen. Erst jetzt sehe ich, wie zahlreich wir eigentlich sind.
Dass sich heute so viele Menschen unterschiedlichen Alters begegnen, von Babys bis zu Senior*innen, um gemeinsam aus geretteten Lebensmitteln zu kochen und zu essen, macht mich glücklich. Ich könnte stundenlang in die Runde schauen und mich daran erfreuen, wie schön es hier ist. Genau deshalb sitzen wir noch eine ganze Weile zusammen und reden. Ich höre viele Geschichten aus der Küfa, von Rettungsaktionen und davon, wie lange die anderen schon dabei sind.

Auf das gemeinsame Kochen und Essen folgt ein ebenso gemeinschaftliches Aufräumen und Spülen. Wieder packen alle mit an und arbeiten Hand in Hand. Während die Spülmaschine läuft, wird parallel abgewaschen. Alles kommt zurück an seinen Platz. Zum Schluss werden die übrigen Lebensmittel verteilt. Alle dürfen, oder besser gesagt sollen, sich etwas einpacken.
Als ich nach Hause fahre, befinden sich in meiner Tasche Brot für meine Familie, zwei Bananen, Spargel und Orangensaft. Es war ein toller Abend in der Küfa und eine bereichernde Erfahrung. Für mich steht fest: Ich werde wiederkommen. Vor allem nehme ich das Gefühl mit, einen besonderen Ort kennengelernt zu haben, an dem Lebensmittel gerettet werden und Menschen zusammenkommen.
Lust, selbst mitzuschnippeln? Die nächste Küfa findet am Mittwoch, 25. November 2026, im Haus der Jugend in Konz statt. Ab 17 Uhr wird gemeinsam geschnippelt und gekocht, gegen 19 Uhr gegessen. Die Teilnahme ist kostenlos; wer möchte, kann etwas spenden. Bringt gerne Behälter und Tüten mit, damit auch die übrigen Lebensmittel ein Zuhause finden. Kommt mit Familie, Freund*innen oder einfach allein vorbei!
Eure Friederike
Instagram: _fooderike
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