Wenn Saarkinder nähen ...

... Gemeinsam aus Liebe zur Region


Saarkind und die Allesnäher, die erste flüchtige Begegnung ist etwa ein Jahr her. Es war auf der Pre-View für die SWR-Heimatwoche in der Kulturgießerei in Saarburg. Sowohl wir als auch die Weberbrüder inklusive Saarkindgründerin Vanessa wurden vorgestellt in einem Beitrag über Wiltingen – Homebase von Saarkind – beziehungsweise Serrig – das Zuhause der Allesnäher. Vanessa rief mir damals zu, dass sie mir ein paar Fotos von unseren Serrigprodukten zusenden werde. Auf meinen überraschten Blick hin, ergänzte sie, dass sie diese während des Saar-Riesling-Sommers auf dem Weingut Würtzberg gesehen und dann mehr oder weniger zufällig unsere Taschen fotografiert habe. Die Fotos waren toll und setzten unsere Produkte aus unserem selbstentwickelten Serrigstoff schön in Szene.

Weiter und intensiver ins Gespräch kamen wir wiederum auf dem Weingut Würtzberg während des Weinachtsmarktes 2019 (ja, das fehlende „h“ ist hier richtig, ein Wortspiel eines Weingutes), auf dem wir unsere Verkaufsstände nebeneinander hatten.


Wir stellten schnell fest, dass einige unserer Prinzipien ganz gut zueinander passen. Regionalität, Nachhaltigkeit, ein verantwortungsvoller Umgang mit den Rohstoffen ist uns als auch Saarkind gleichermaßen wichtig. Und auch unsere Mottos „…weil so Heimatliebe Spaß macht“ (Saarkind) und „Wir wollen gemeinsam mit Spaß und allen Generationen etwas nachhaltiges für Serrig schaffen und es in die Welt tragen“ (Allesnäher) sind nicht so weit voneinander entfernt. Nun ja, zugegeben, ganz richtig ist das nicht: Saarkind schafft es pointierter und auf Punkt zu sein, wir Allesnäher brauchen für alles ein paar Worte mehr. Und diese Erkenntnis setzt sich fort in unseren Produkten. Saarkind braucht nur ein Wort, um ein Lebens- und Heimatgefühl mehr als erfolgreich in die Welt zu tragen. Wir Allesnäher mit unseren selbst entwickelten Wortlandkarten handeln getreu dem Motto „…weil unsere Region mehr ist als nur ein Wort“. Und das soll hier in keinem Gegensatz stehen, im Gegenteil, es soll sich ergänzen und inspirieren. Und immerhin: Für Saarkind schaffen wir es, uns zu fokussieren, weniger bunt zu sein und Raum zu geben.


Die Idee zu einer Zusammenarbeit entstand bereits während des besagten Weinachtsmarktes in Serrig. Aber da war es nur eine Idee. In den kommenden Monaten standen zunächst erst einige andere wichtige Dinge an: die Familie, die Arbeit und dann kam etwas auf uns alle zu, dass sich Pandemie nennt und uns bis heute in Atem hält. Wir fokussierten uns zunächst auf die Herausforderungen, die der neue Alltag so mit sich brachte und wir Allesnäher darüber hinaus auf das Masken nähen, getreu dem Motto „lieber eine nachhaltige Stoffmaske als die Einwegmaske“.


Fahrt nahm die Idee der Zusammenarbeit Anfang September wieder auf. Vanessa und die Winzer entwickelten die geniale Idee eines coronakonformen Weihnachtsmarktes – nun ja, zumindest war er das Anfang September, inzwischen ist er es nicht mehr und abgesagt. Leider, aber vermutlich die richtige Entscheidung. Dem kurzen Moment der Enttäuschung folgte die Freude auf die Alternative: auf den virtuellen Saarkindlmarkt. Wir dürfen und können dabei sein. Entschieden im Zuge der Vorbereitungen haben die Winzer, dass es einige Saarkind-Weihnachtsspezial-Angebote geben soll. Und so entwickelten wir die Idee weiter, zusammen eine Stoffhülle für Weinkühlermanschetten zu entwerfen. Für Serrig gab es so etwas schon, selbstverständlich aus unserem Serrigstoff. So etwas sollte es nun auch für Saarkind sein. Aber, wie eben schon beschrieben, weniger wortreich und farblich zurückhaltend. Es folgt ein intensiver Austausch zu passenden Stoffen, der Frage „Wo soll das Saarkind-Label platziert werden?“ und der fast noch schwieriger zu beantwortenden Frage „Wie soll es angenäht werden? Rundherum, nur oben und unten, nur an den Ecken, wenn es an den Ecken angenäht werden soll, wird es nur einmal oder zweimal – also horizontal und vertikal genäht?“. Auch zur Beschaffung der richtigen Weinkühlermanschetten wurden einige Nachrichten ausgetauscht, denn hier stießen wir auf ungeahnte Schwierigkeiten. Der Einkaufspreis hatte sich quasi verdoppelt. Aber nach einiger Recherche, fanden wir auch hier eine Lösung.





Ziemlich genau einen Monat später kam Projekt Nummer 2 hinzu: Saarkindmasken. Und mit Hochdruck entwickelten wir einen weiteren Stoff. Dieser hat lange Lieferzeiten und musste fix bestellt werden. Und so gab es eine lange Abendschicht, denn auch hier konnten wir herrlich über Nuancen philosophieren: „Saarkindlogo kleiner oder größer?“ – „Was ist eigentlich klein und was ist groß?“ – „Ja, so sieht es super aus, oder?“ – „Ich bin unsicher, ich kann es mir gerade nicht vorstellen.“ – „Ich auch nicht.“ – „Hmmm… Warte, ich habe noch eine Idee.“ – Datei wird in Schnittmustergröße auf den Drucker gesendet und um 21:47 Uhr ist die Papiermaske fertig. „Mach mal ein Foto.“ Mein neben mir lesender Mann lächelt nachsichtig und entspricht meinem Wunsch. Klick, klick, swoosh… Foto gesendet.

Vanessa, 21:48: „Sieht SUPER aus!!!!“

Ich, immer noch 21:48: „Sehr gut. Dann haben wir es!“




Parallel diskutieren Petra (unsere Allesnäher-Gründerin und DIE Nähexpertin) und ich bereits über einige Nähdetails der Masken. Welche Rückseite, welche Jerseybänder, Zuschnittgrößen, usw. und noch viel wichtiger, wir organisieren einige Termine, an denen wir uns in der Allesnähergruppe treffen wollen, um alle Aufträge gemeinsam zu nähen. Von diesen Treffen dürfen noch zwei stattfinden, dann wieder: Kontaktbeschränkungen. Aber aufgeben und den Kopf in den Sand stecken ist keine Option. Wir organisieren uns neu und stellen wie beim „Masken nähen“ auf Heimarbeit um. Das Schöne daran ist: Wir haben tolle Mitnäherinnen, die gern den ein oder anderen Abend helfen, trotz der Einschränkungen und den damit verbundenen Herausforderungen. Und so werden die Aufträge trotz der Hindernisse rechtzeitig fertig.


Darüber hinaus hat die Zusammenarbeit mit Saarkind und noch ein paar weitere Zusammenarbeiten einen schönen Nebeneffekt. Wir können dadurch an unseren eigenen Ideen der Wortlandkarten und den dazu passenden Produkten weiterarbeiten und diese vorfinanzieren. Wir bekommen zwar tolle Unterstützung und Rückendeckung der SeLe Serrig Lebenswert eG, zu der wir als Projektgruppe gehören und die unser Unternehmensdach ist, aber es fühlt sich einfach noch besser an, wenn die Finanzierung durch unsere eigenen erledigten Aufträge vorab gesichert ist.



Zu guter Letzt, es gibt sogar noch ein drittes Saarkind-Allesnäher-Zusammenarbeitsprodukt und das kam so: Ich habe es in meinem ersten Blogbeitrag schon einmal erwähnt, ich lebe unheimlich gern an der Saar und bin fasziniert von ihrer Landschaft und bin inzwischen hier sehr gut verwurzelt, doch meine Heimat ist der Norden. Ich bin an der Elbe groß geworden und somit Elb- statt Saarkind. Ich mag die Saarkind-Produkte sehr, jedoch wären für mich persönlich ein T-Shirt, Hoodie oder Cap ein etwas zu starkes Statement. Aber als ich vor einigen Wochen auf ein maritim anmutendes Dekokissen bei uns im Haus schaute, dachte ich: „Ja, ein Saarkindkissen. Das geht!“ – Vanessa erlaubte ein Prototyp und so ziert nun doch ein Saarkindstatement unser Heim in Form eines Dekokissens für das Gästebett unter Fotografien dieser wunderbaren Region.