Wandern in der Region (nicht nur) mit Kindern

Von einer Tour mit der gesamten Familie zum Maunertgipfel und anderen Zielen


„Und da oben wollen wir hin?“, unsere Freunde, mit denen wir uns heute zu einer Wandertour verabredet haben, klingen ein klein wenig skeptisch. „Genau! Da hoch.“ Ich versuche den größtmöglichen Optimismus in meine Stimme zu legen, muss aber zugeben, ich hoffe, dass unsere jeweils 7jährigen Söhne mitmachen. Schaffen können sie die geplanten 250 Höhenmeter von der Serriger Staustufe bis hoch zum Maunert Grat zwischen Serrig und Taben-Rodt gelegen. Da sind wir sicher, ob sie sie aber schaffen wollen, steht auf einem anderen Blatt. Kurze Zeit später zeigt sich, unsere Sorge war unbegründet. Die beiden Jungs stapfen quatschend voran, wir Erwachsenen hecheln hinterher. So viel zum Thema, ob die zwei jüngsten Wanderer es schaffen können.



Wandern mit Kindern, bei diesem Thema scheiden sich die Geister. „Und das machen eure Kinder mit?“ werden wir gefragt, wenn wir von unseren Touren hier im Saargebiet oder auch aus dem Urlaub in den Bergen berichten, gefolgt von einem „das würde mit unseren Kindern nicht funktionieren, die laufen so ungern.“ Unsere Antwort lautet dann: „Ja, in der Regel schon.“ In der Regel, weil auch unser großer Sohn (der kleine sitzt noch in der Kraxe, das zählt also noch nicht) mal absolut keine Lust hat loszugehen oder während einer Wanderung in ein Motivationsloch fällt. Aber abschrecken lassen wollen wir uns davon nicht und die Erfahrung zeigt, ist die Tour nur interessant genug oder es werden Ablenkungen gefunden (dazu später mehr), dann können die Jüngsten ganz schön weit kommen.


Aber zurück zu unserer Tour zum Maunert Grat. Wer Interesse hat, kann sie auf Komoot (https://www.komoot.de/tour/364147212) detailliert nachverfolgen. Startpunkt ist die Serriger Staustufe, die übrigens die größte ihrer Art in Deutschland ist, 14,5 Meter werden hier überwunden. Und dort bleiben wir erst einmal hängen, um einem belgischen Schiff beim hinabschleusen zuzuschauen. Das ist immer ein faszinierender Anblick. Über Streuobstwiesen mit Blick auf das Örtchen Hamm und hinüber zur Drachenflugrampe Serrig geht es zunächst sanft den Hügel hinauf. In der Nähe einer kleinen Kapelle queren wir die Straße. Von da an befinden wir uns im Wald und folgen den blauen Wandermarkierungen, die auf den Maunert hinaufführen. Es wird steiler und wir fangen langsam an etwas schwerer zu atmen. „Merken die da vorn eigentlich, dass es bergauf geht?“, fragt unser Freund schmunzelnd und blickt auf die beiden 7jährigen, die weiterhin fast im Laufschritt vorausgehen. „Interessant, wie die sich gegenseitig den Berg hochziehen.“



Die Tour hoch auf Maunert ist für uns der Geheimtipp unter den zahlreich vorhandenen Wandermöglichkeiten in der Region. Während man gerade in der derzeitigen Zeit, weil viele andere Freizeitaktivitäten aufgrund der Pandemie nicht möglich sind, auf anderen zertifizierten Touren fast wie auf einer Wanderautobahn im Stau steht, haben wir auf dieser Tour bis hoch zum Gipfelkreuz niemanden – ja Ihr habt richtig gelesen niemanden – getroffen. Nur wir, der Mischwald und eine wunderbare Aussicht auf die Saar, Serrig, Saarburg und Taben-Rodt – herrlich.


Vom Gipfel aus geht es weiter, nun ganz sanft bergab in den Wald und bald erreichen wir den Altfels. Mutige kommen nach einer kurzen Kletterpartie auf das Plateau des Felsens. Aber wichtig: Die Kletterer sollten schwindelfrei sein und wer mit Kind und Kegel unterwegs ist, sollte sein Kind und dessen Trittsicherheit einschätzen können. Bei Zweifel oder zu viel Respekt bitte lieber sein lassen.


Aber selbstverständlich lässt es sich nicht nur am Maunert gut wandern. Wer den Blick auf die Saar liebt und auf ihn auch nicht während einer Wanderung verzichten möchte, dem seien diese Touren empfohlen:


Der Klassiker: Cloef-Pfad (https://www.saar-hunsrueck-steig.de/traumschleifen/cloefpfad)

Eine offizielle Traumschleife und dementsprechend gut frequentiert, aber absolut zu empfehlen. Los geht es an der Cloef mit einem tollen Blick auf die berühmte Saarschleife, hinab zur Saar und wieder hinauf (8 Km, 280 m hinunter und wieder hinauf).


Die kleine, aber eigentlich größere Saarschleife: Tour zur Schönen Aussicht

Der Blick von der Drachenflugrampe Serrig heißt Schöne Aussicht und ist wirklich schön, die kleine Schwester der Saarschleife ist ein wenig unbekannter und erwandert wird sie eher selten und wenn, dann von „Einheimischen“. Die hier vorgestellte Tour ist kein zertifizierter Weg, somit geht es auch teilweise auf breiteren Pfaden oder Asphalt entlang. Jedoch sind Teilabschnitte der Wanderung so schön, dass sie sich auf jeden Fall lohnt, wie z.B. der Pfad mit Blick auf die Saar als auch der Abschnitt durch das Lunkertbachtal. Wer die 6 Kilometer lange Tour nachwandern möchte, kann sich hier https://www.komoot.de/tour/337204574 orientieren (6,2 Km, 130 m hinauf und wieder hinunter).


Von Weinlage zu Weinlage mit herrlichem Blick: Von Wiltingen nach Ockfen

(https://www.komoot.de/tour/337213761) Keine Rundtour, daher solltet Ihr (sofern nicht in Wiltingen wohnhaft) mit zwei Autos unterwegs sein. Das eine lasst Ihr in Ockfen stehen, mit dem anderen geht es nach Wiltingen. Von hier aus geht es bergauf und entlang an Weinbergen und einem Teil des Westwallmuseums. Zwischendurch gibt es immer wieder herrliche Blicke auf die Saar, hinüber nach Ayl und am Ende auf Ockfen zu genießen. Und am Ende der Tour lockt die Einkehrmöglichkeit der Klostermühle. (6,9 Km, 160 m hinauf und wieder hinunter). Die Tour verläuft übrigens teilweise auf dem Saar-Riesling-Steig (https://www.visitmosel.de/destinationdata-details/tour/moselsteig-seitensprung-saar-riesling-steig), ebenfalls ein toller Wanderweg, aber mit 17 Kilometer Länge auch eine Herausforderung.



Auf unserer Tour wandern wir inzwischen etwas steiler hinab, bis wir den Pinschbach erreichen. An ihm entlang geht es Richtung Saar. Er fließt ruhig und leise plätschernd neben uns durch das Tal. Wir, inzwischen doch auch etwas erschöpft, freuen uns, dass wir alle Höhenmeter geschafft haben. Die jüngsten Wanderer haben langsam keine Lust mehr. „Wann sind wir am Auto?“, ist die nun gestellte Frage. „Bald“, ist die Antwort, aber vorher lädt die Pinschbachmündung noch zu einer Pause. Mit Blick auf die Saar rasten wir Großen und die Jungen haben kurzfristig ihre Lustlosigkeit wieder vergessen und versuchen das Mündungstal mit Steinen und Ästen umzugestalten. Das Schöne an dieser Tour: Kurz bevor die Lust endgültig schwindet wartet die Umgebung mit einem neuen Höhepunkt auf. Der letzte Kilometer entlang der Saar ist dann tatsächlich schnell geschafft. Und am Endpunkt sagt einer der beiden Jungen: „Wir können uns ja bald mal wieder zum Wandern treffen.“ So schlimm scheint es also nicht gewesen zu sein.